Mausoleum von Herff

Alter Friedhof, Herdweg 107, III A 1

Das Mausoleum aus dem Jahre 1929 entwarf Architekt Professor Dr.-Ing. N. J. van Taak-Trakanen. Der zweigeschossige Rundbau gehört stilistisch zur Architektur des Expressionismus. Der Turm steht in einer symmetrischen, kleinen Gartenanlage, in der weitere Mitglieder der Familie beerdigt sind.
Der Eingang mit Bronzetür und Klopfer liegt zentral zum Friedhofseingang hin. Von hier aus wird die ebenerdige Grabkammer betreten. Jeweils seitlich führen zwei Treppen auf die umlaufende, äußere Galerie, die durch verglaste Türen von der inneren Galerie getrennt liegt. Der Zugang zur Grabkammer ist von oben nicht möglich, lediglich der Blick hinunter auf die mit Grabplatten verdeckten Gräber im Boden des Mausoleums. Das Mausoleum ist ein gemauerter Putzbau. Manche Fassadenteile bestehen aus Muschelkalk. Der Haupteingang wird von zwei Bäumen flankiert. Zu den besonderen Details gehören drei Reliefs (Ikonografie: Die drei Lebensalter des Menschen) am oberen Rand des Turmes jeweils über den Bronzetüren und Fenstern der Galerie. Sie stammen von dem damals in Paris lebenden Bildhauer Johannes Ilmari. Signatur: “Ilmari Paris 1929”. Das Mausoleum ist als Kulturdenkmal nach § 2 Absatz 1 Hessisches Denkmalschutzgesetz aus künstlerischen Gründen in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen eingetragen. Siehe: DenkXweb

Der Architekt: Prof. Dr. Ing. N. J. van Taak-Trakanen

Viel mehr als ein paar nüchterne Daten sind über den Architekten (noch) nicht bekannt: 20. Juni 1898 Berlin - 2. Oktober 1971 Freiburg, um 1930 Leiter der Fachklasse für Innenarchitektur an der Badischen Landeskunstschule Karlsruhe. Zur Quelle
Aus einem Schreiben an Ministerialdirektor Dr. Ott vom 19. Januar 1946 ist zudem wenig Biografisches überliefert: “Vielleicht erinnern Sie sich meines Namens aus der Zeit, da ich Professor an der Badischen Landeskunstschule in Karlsruhe war? (…) 33 wurde ich von der NS Regierung entlassen und arbeitete seitdem als selbständiger Architekt.” Zur Quelle

Die vier Reliefs des Künstlers Johannes Ilmari Auerbach

Relief an der Außenseite des Mausoleums von Herff
Relief "Alter" von Ilmari, am Mausoleum von Herff, Quelle: Denkmalarchiv

Jugend, Reife, Alter und ein Wappen

Vier gemauerte Risalite umfassen die oberen verglasten Bronzetüren und leiten zur Attika über. Unterhalb der Attika befinden sich vier vom Bildhauer Johannes Ilmari Auerbach geschaffene Reliefs - hier das Relief “Alter” auf der Nordseite. 

Relief
Das Relief "Reife" von Ilmari am Mausoleum von Herff, Quelle: Denkmalarchiv

Kunsthistorisch wertvoll

Die Reliefs stellen kunstgeschichtlich eine Besonderheit dar, da sie aufgrund der bewegten und bewegenden Lebensgeschichte des Künstlers wenige, der heute noch erhaltenen Exponate zu sein scheinen, so heißt es in der restauratorischen Voruntersuchung.

Der Künstler Ilmari

Johannes Ilmari Auerbach (1899, Breslau - 1950, Oxford) war ein Bildhauer, Maler, Kunstgewerbler und Schriftsteller, der in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurde. 
Am Mausoleum von Herff stammen das Wappen der Familie, sowie die drei Darstellungen der Jugend, der Reife und des Alters von ihm - wie die Signatur an der Figur “Reife” bezeugt. 

Mehr zu dem Künstler in wikipedia

Relief
Relief "Jugend" am Mausoleum von Herff, Quelle: Denkmalarchiv

Restauratorischer Befund

Die vier Reliefs sind aus hellem Muschelkalk. Der Stein enthält eine Vielzahl an ockrig-roten, eisenoxidhaltigen Einschlüssen, die maßgeblichen Einfluss auf seine farbliche Wahrnehmung nehmen. Insgesamt erscheinen die Reliefs in einem relativ guten Zustand. Altersgemäße, oberflächliche Verschmutzungen, dunkle Verkrustungen, mikrobiogener Belag und Vogelkot sind erkennbar und erschweren die Lesbarkeit - wie hier zu sehen am Relief “Jugend” auf der Südseite des Mausoleums.

Wappen der Familie von Herff

Über dem Eingang befindet sich das mit zwei Lilien und einer Rose gestaltete Wappen der Familie von Herrf, einem französisch-deutschen Adelsgeschlecht.

Mehr zu der Familie von Herff in wikipedia

Der Innenraum

Steintüre
Eine Steintüre verschließt den Zugang zur Grabkammer, Quelle: Denkmalarchiv

Die massive Steintüre

mit Türklopfer führt in die ebenerdige Grabkammer, wo zunächst 41 Grabstätten vorgesehen waren - darunter auch die Grabstätte von Balduin von Herff, der das Mausoleum errichten ließ. 

Mausoleum, Außenansicht
Ansicht des Mausoleums von Herff (1997), Quelle: Denkmalarchiv

Zwei geschwungene Außentreppen

führen auf die umlaufende Außengalerie. 

Blütenverzierte Bronzetüre
Rosen und Lilien schmücken die Bronzetüren, Quelle: Denkmalarchiv

Verglaste Bronzetüren

führen zur inneren Galerie, von wo aus ein Blick auf die mit Grabplatten bedeckten Gräber im Erdgeschoss möglich ist. Am Türschmuck finden sich die Lilien und Rosen des Herff'schen Wappens wieder. 

Innenraum des Mausoleums
Blick vom Gedächtnisraum in die Grabkammer, Quelle: Denkmalarchiv

Ein Bronzegitter,

gestaltet mit Figuren der Bildhauerin Ali Bonte-Lichtenstein, schließt die innere Galerie des Gedächntisraumes ab. Mehr zu der Bildhauerin Ali Bonte-Lichternstein finden Sie im Stadtlexikon Darmstadt.

Werksteinkuppel
Blick auf die Werksteinkuppel, Quelle: Denkmalarchiv

Die Werksteinkuppel

schließt den zweistöckigen Inneraum ab. 

Verformungsgerechte Bauaufnahme mittels 3D-Laserscanverfahren

Blick in den Innenraum des Mausoleum von Herff
Blick in den Gedächtnisraum, Quelle: Timo Vössing

Bauaufnahme

 Im November 2024 wurde der Innenraum des Mausoleums dreidimensional gescannt. Der Scan dient als Grundlage für weitere Untersuchungen.

 

Blick in den Gedächtnisraum
Blick in den Gedächtnisraum, Quelle: Timo Vössing

Gedächtnisraum

Blick in den Scan des Gedächtnisraumes. Der Scan besteht aus vielen Millionen Punkten und wirkt daher wie ein Foto.

Schnitt

Für die weiteren Untersuchungen wurde das Mausoleum innen wie außen mit verschiedenen Methoden aufgenommen und zu einem Gesamtmodell zusammengesetzt.

 

Zum vollständigen Foto

Weiterführende Informationen

 "Für die weitverbreitete und zahlreiche Familie von Herff hat Balduin von Herff (Amerika) auf dem Alten Friedhof an der Nieder-Ramstädter Straße ein Erbbegräbnis errichten lassen, das nach fünfmonatiger Bauzeit seiner Fertigstellung entgegen geht. Dr.-Ing. R. J. van Taack-Trakanen hat die Entwürfe fertiggestellt und die Ausführung des Baues bis in alle Einzelheiten überwacht. Man kann sagen, daß sein Werk wohl gelungen ist. Das Mausoleum, das - wie es vom Bauherrn gewünscht wurde - in seinen Konturen an das Grabmal Theoderichs in Ravenna gemahnt, ist ein aus Hardtheimer grauem Muschelkalk - einem vorzüglichen und haltbaren Material - erbautes Denkmal, das den Toten der Herff‘schen Familie - zunächst sind insgesamt 41 Grabstätten bereitet - zur letzten Ruhe dienen soll. Sehr glücklich ist es gelungen, das Denkmal so zu errichten, daß die Aufgänge zu ihm jeweils nach den vier Alleen errichtet sind, in dessen Schnittpunkt es liegt. Die vorhandenen Lindenbäume sind erhalten geblieben und flankieren jeden der Eingänge, lockern dadurch das architektonische Bild etwas auf. Man merkt es dem Bauwerk an, daß bestes Material verwendet wurde. Das gibt ihm einen starken und beruhigenden Eindruck. Dieser Eindruck der Solidität wird verstärkt, wenn man die Art der Bauausführung, die bis in die kleinsten Einzelheiten sorgfältig und präzise ist, betrachtet. Viel darüber zu schreiben hieße, als Laie in die Sphäre den Architekten eingreifen. Nur der Verfugung der einzelnen Muschelkalkblöcke sei gedacht, die nicht glatt aneinander verkittet wurden, sondern die ineinander verzahnt wurden in der Art des Schwalbenschwanzes, um den technischen Ausdruck zu gebrauchen. Das Bauwerk, dessen Höhe etwa 10, dessen Durchmesser etwa 8 Meter beträgt, mutet in seiner Formklarheit und schlichten Schlichtheit (nicht mit der "neuen" zu verwechseln) fast wie modernisierter romanischer Baustil an. Sauber und gerade fügen sich über den einzelnen Eingängen am oberen Rand des runden Turmes die vier Skulpturen ein, die das Wappen der Familie - zwei Lilien und Rose - und in allegorischer Art Jugend, Reife und Alter darstellen. Weil sonst mit Ornamentik nur ganz sparsam gearbeitet wurde, wirken diese Darstellungen, in vertieften, der Türbreite entsprechenden Einkerbungen der äußeren Turmwand gelegen und gewissermaßen aus ihnen herauswachsend, belebend und notwendig. Das Innere entspricht dem Aeußeren. Auch hier Muschelkalk, der als Fußbelag marmorartig poliert ist. In der Runde die Grabstätten, Muschelkalkplatten mit Bronzeringen. Um das Innere führt in Höhe eines zweiten Stockwerkes ein Rundgang, der durch ein Bronzegitter, dessen einzelne Ausgestaltung und Ornamentik ebenfalls ruhig und schlicht-künstlerisch ist, nach der kreisrunden inneren Oeffnung, durch die man in die Gruft blickt, abgeschlossen ist. Das Ganze, auch in der Kuppel, die nach oben hin abschließt, ein klein wenig gemahnend an die Ruhestätte Napoleons, an den Dome des Invalides." 
Darmstädter Tagblatt, 5. Oktober 1929. Eine (schlecht lesbare) Kopie des Artikels befindet sich im Denkmalarchiv.

in: Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten, Mai 1930. Den Aufsatz finden Sie digital in der Universitätsbibliothek Heidelberg