Ludwigshöhe

Ludwigshöhe und Ludwigsturm

Die Ludwigshöhe (246 Meter) gilt als Bessunger Hausberg. Im 19. Jahrhundert wurde sie als Ausflugsziel populär. 1838 gab es die erste Gaststätte. 1882 stiftete der Kaufmann Wilhelm Schwab den 28 Meter hohen Aussichtsturm. 1887 wurde ein Restaurant samt Hotel gebaut, das 1898 abbrannte, aber schon um 1901 durch einen Neubau ersetzt wurde.
Während des Zweiten Weltkrieges befand sich auf der Ludwigshöhe eine Luftabwehrleitstelle. Die Gebäude wurden beschossen, teilweise zerstört und später abgetragen.
Seit 1976 kümmert sich der Verein “Bürgeraktion Ludwigshöhe” um die Restaurierung und den erhalt.

Flakfundament

Bei Sanierungsarbeiten der Terrasse wurde 2022 das Fundament freigelegt, auf dem im Zweiten Weltkrieg eine Flak stand - eine Flugabwehrkanone, mit der vom Boden aus feindliche Flugzeuge beschossen wurden.
Das Fundament zeugt für die militärische Nutzung der Ludwigshöhe, die im Zweiten Weltkrieg als Luftabwehrleitstelle genutzt wurde, und ist daher ein zeithistorisches Dokument.

(Texte der beiden Informationsschilder)

Denkmal

Der Aussichtsturm auf der Ludwigshöhe ist als Kulturdenkmal nach § 2 Absatz 1 Hessisches Denkmalschutzgesetz aus geschichtlichen und künstlerischen Gründen in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen eingetragen.

 

 

Ausflugsziel

Die Ludwigshöhe ist eines der beliebtesten Ausflugsziele der Darmstädter und Bessunger.

Wilhelm Schwab

Der Kaufmann Wilhelm Schwab (1816-1891) spendete dem Darmstädter Verschönerungsverein 17.000 Mark, womit der 1882 eingeweihte Turm finanziert wurde.  

Sanierungsarbeiten von August 2020 bis März 2024. Beteiligt waren zwei Planungsbüros.

Geplant war, die Hangmauer im Erdreich an der Terrasse zurückzuverankern. Doch eine Radaruntersuchung zeigte, dass dies zu riskant wäre. Stattdessen wurde die Hangmauer bei der Sanierung in Betonrucksäcke direkt hinter der Mauer verankert.

Ursprünglich lief das Regenwasser über Mauerspeier an der oberen Terrasse ab. Doch das Spritzwasser aus diesen Speiern belastete die hangseitige (luftseitige) Mauer stark. Zusätzliche Bodenabläufe leiten das Oberflächenwasser nun über eine Grundleitung seitlich über die Flügelmauern ab. Die alten Speier dienen weiterhin als Notüberläufe.

Die alte Terrasse war durch verschiedene Beläge, Pflanzbeete und einen Niveauversprung vor der Mauer sehr uneinheitlich. Ein einheitlicher Belag (wassergebundene Decke) sowie farblich angepasste Sitz- und Treppenstufen sorgen nun für eine harmonischere Gestaltung.

Eine Baumgutachterin begleitete den Bau, da die Terrasse stark durchwurzelt war. Wegen der Wurzeln im oberen Hang musste die Planung der Sitzstufen mehrfach angepasst werden.

Die Terrasse sollte barrierefrei erreichbar sein – dies forderte der Behindertenbeauftragte der Stadt Darmstadt für barrierefreies Bauen und Mobilität. Mit der neuen Rampe ist dies möglich, auch wenn das erforderliche maximale Gefälle von 6 % nicht vollständig umgesetzt werden konnte.

Eine Georadaruntersuchung machte die Lage des Flakfundaments sichtbar. Es wurde bewusst an Ort und Stelle erhalten, um an diesen Teil der Geschichte der Ludwigshöhe zu erinnern.

Die Schäden am Ziegelmauerwerk des Turms waren groß. Die Sanierung begann mit dem Austausch aller beschädigten Ziegel. Danach wurden die Fugen erneuert und eine Schutzschicht gegen Witterungseinflüsse aufgetragen. Der kleine Balkon entstand nach historischen Fotos neu. Die Maßwerkfenster wurden stabilisiert, Türen und Fenster aus Metall und Holz restauriert. Die umlaufenden Sandsteinzinnen der unteren Terrasse blieben erhalten. Fehlende oder beschädigte Elemente wurden ersetzt.

Durch eindringendes Wasser hatte die Stahlkonstruktion unter der Terrasse schwere Schäden. Um weitere Probleme zu verhindern, wurde die Wasserableitung optimiert. Im Erdgeschoss waren viele Gewölbesegmente aus Hohlziegeln stark beschädigt. Gemeinsam fiel die Entscheidung, die Flächen zu verputzen und nur zwei gut erhaltene Segmente freizulegen, zu sanieren und offen sichtbar zu lassen.

Auch die Fläche rund um den Turm wurde angepasst. Unebenheiten wurden ausgeglichen, beschädigte Bereiche mit Bessunger Kies aufgefüllt. Ein Stromverteiler steht nun unauffällig an der Seite, um die Hütten für Feste besser mit Strom zu versorgen. Eine neue Pflasterrinne neben den Stützen sorgt dafür, dass Regenwasser besser abfließt.

Kriegsjahre 1939-1945

Im Zweiten Weltkrieg betrieb der Luftwaffenstab "Mittelrhein" auf der Ludwigshöhe einen Nachtjägerleitstand, um die Deutsche Luftwaffe zu sichern und von Westen herannahende feindliche Verbände zu beobachten. Für die stationierten Soldaten wurden 1940-41 Baracken gebaut. Der Nachtjägerleitstand wurde nie fertiggestellt, ging aber 1943-45 in Teilbetrieb. Kurz vor Kriegsende sprengte die Deutsche Wehrmacht das Hotel-Restaurant, übrig blieb eine Ruine aus Schutt. Das Wohnhaus, der Musiktempel, die Wehrmachtsbaracken, der Nachtjägerleitstand und die Aussichtsterrasse blieben verhältnismäßig intakt. Übrig sind bis heute diverse Mauerreste.

Die Informationen stammen aus dem Buch: Thomas Deuster, Die Ludwigshöhe. Der Bessunger Hausberg. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, Darmstadt 2005

"Es war ein Hochbunker ohne Fenster und mit einer 32 cm dicken Betondecke. Im Innern befand sich ein kinosaalgroßer Raum mit einer Großbildleinwand, auf der die Flugbewegungen nachvollzogen wurden. Das Dach war in tarnfarben gehalten. Weiterhin wurden weitere Flugabwehrgeschütze, ein Mannschaftsbunker auf der Ludwigshöhe, ein großer Bunker an der Marienhöhe und verschiedene Beobachtungsstände gebaut. Über 20 Baracken mit den unterschiedlichsten Aufgaben waren um das Areal des Hotel-Restaurants errichtet worden. So fand man 12 Wohnbaracken, drei Abortbaracken, zwei Bade- und zwei Waschbaracken, eine Lagerbaracke und eine Wirtschaftsbaracke vor,"

aus: Thomas Deuster, Die Ludwigshöhe. Der Bessunger Hausberg. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, Darmstadt 2005, S. 53.

Auch auf der oberen Plattform des Ludwigsturms war eine kleine Flakstellung stationiert.

Der ehemalige Nachtjägerleitstand wurde 1956 von der Deutschen Bundespost bezogen und zur Funkkontrollmessstelle ausgebaut - in das dicke Ziegelmauerwerk wurden Fenster eingebrochen, der Tarnanstrich wurde übermalt.