Darmstädter Herbert Kociemba erhält Bronzene Verdienstplakette für Entdeckung der "Gotteszahl" im Jahr 2010

(dk)

Oberbürgermeister Hanno Benz würdigt die besonderen Verdienste des Mathematikers um Darmstadt als "Heimat der Wissenschaften".

Oberbürgermeister Hanno Benz zeichnete Herbert Kociemba (r.) mit der Bronzenen Verdienstplakette aus. Quelle: Wissenschaftsstadt Darmstadt

Oberbürgermeister Hanno Benz hat den Darmstädter Mathematiker Herbert Kociemba am heutigen Donnerstag (3.) im Magistratssaal mit der Bronzenen Verdienstplakette ausgezeichnet. Kociemba erhält die Ehrung für seine wissenschaftliche Leistung im Zusammenhang mit der Errechnung der sogenannten „Gotteszahl“, die besagt, dass nie mehr als 20 Züge notwendig sind, um einen „Zauber“- oder „Rubik-Würfel“ in die korrekte Ausgangsstellung zu bringen. Der Magistrat hatte die Ehrung bereits in seiner Sitzung vom 18. Dezember 2024 beschlossen.

„Herbert Kociemba hat sich mit seiner wissenschaftlichen Arbeit rund um die Berechnung der Gotteszahl in außerordentlichem Maße um die Bedeutung der Wissenschaftsstadt Darmstadt auf dem Gebiet der Mathematik verdient gemacht“, erklärt dazu OB Hanno Benz. „Seine Leistungen, die auch weit über die Grenzen Darmstadts hinauswirken, haben Botschafter-Charakter und unterstreichen den Stellenwert von Darmstadt als Heimat der Wissenschaften. Ich freue mich daher außerordentlich Herrn Kociemba heute mit der Bronzenen Verdienstplakette der Stadt Darmstadt auszeichnen zu können.“

Hintergrund: Kociemba, der Rubik-Cube und die Gotteszahl

Herbert Kociemba ist seit dem 29. August 1956 Bürger der Stadt Darmstadt und war als Mathematiklehrer tätig. Nachdem er sich im Jahr 1980 das erste Mal mit dem Zauberwürfel beschäftigt hatte, begann er ab 1990 wieder damit, seinen eigenen Rechner zur Berechnung der Züge zu benutzen, ausgehend von der Frage, wie der Rubik-Würfel am schnellsten wieder in seine Ausgangsposition mit farbgleichen Seiten zu bringen sei.

Den ersten Algorithmus zum Finden einer optimalen Lösung formulierte Richard E. Korf, der 1997 zeigte, dass die durchschnittliche optimale Lösung 18 Züge (mit halben Drehungen) benötigt.
Er ging außerdem davon aus, dass nie mehr als 20 Züge erforderlich sind, jedoch konnte er das nicht beweisen. Bereits 1992 hatte Dik T. Winter eine Stellung (den sogenannten Superflip) gefunden, die 20 Züge benötigt. Den Beweis, dass diese Stellung tatsächlich nicht in weniger Zügen zu lösen ist, erbrachte Michael Reid im Jahr 1995. Im März 2008 konnte der US-amerikanische Informatiker Tomas Rokicki mit gewaltigem Rechenaufwand zeigen, dass die Anzahl der Züge, die man bei richtiger Strategie maximal dazu benötigt, einen Rubik’s Cube aus jeder beliebigen Stellung in seine Ausgangslage zurückzudrehen, höchstens 25 sein kann, was er im August durch verbesserte Computerunterstützung (durch den Software-Ingenieur John Welborn von Sony Pictures) auf 22 reduzieren konnte. Im Juli 2010 bewies Tomas Rokicki zusammen mit Herbert Kociemba, Morley Davidson und John Dethridge die Vermutung, dass nie mehr als 20 Züge notwendig sind. Es wurden 12.000.000 Stellungen gefunden, die nicht in weniger als 20 Zügen gelöst werden können. Vermutlich gibt es insgesamt 490.000.000 solche Stellungen.

Die Bezeichnung „Gotteszahl“ stammt von dem englischen Gruppentheoretiker John Conway oder einem seiner Kollegen in Cambridge. In Anlehnung daran wird diejenige Anzahl Züge, die man mindestens zur Lösung des Zauberwürfels aus irgendeiner Stellung heraus benötigt – also die Länge der optimalen Wege für die „am weitesten“ von der Ausgangsstellung entfernten Stellungen –, Gottes Zahl genannt.

Der Rubik’s Cube ist ein Drehpuzzle, das 1974 von dem ungarischen Bauingenieur und Architekten Ernő Rubik erschaffen wurde.