80. Todestag von Otto Sturmfels

(fre/stip)

Oberbürgermeister Hanno Benz erinnert an den am 2. April 1945 im KZ Dachau ermordeten Darmstädter Rechtsanwalt, SPD-Politiker und -Landtagsabgeordneten: „Otto Sturmfels war ein Vorbild für Humanität, Gerechtigkeitssinn und Zivilcourage, ein Jurist der Freiheit und Gleichheit“

Otto Sturmfels / Quelle: Wissenschaftsstadt Darmstadt - Stadtarchiv

Am 2. April 1945 wurde der Darmstädter Rechtsanwalt, SPD-Politiker und langjährige hessische Landtagsabgeordnete zur Zeit der Weimarer Republik, Otto Sturmfels (geb. 1880), von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Dachau ermordet.

Aus diesem Anlass würdigt Oberbürgermeister Hanno Benz den engen Weggefährten Carlo Mierendorffs: „Otto Sturmfels war ein Vorbild für Humanität, Gerechtigkeitssinn und Zivilcourage“. Er sei ein Sachwalter der kleinen Leute, „ein Jurist der Freiheit und Gleichheit“ gewesen.

Nach dem gescheiterten Attentats- und Umsturzversuch des 20. Juli 1944 fiel Sturmfels einer Massenverhaftungswelle („Aktion Gitter“) zum Opfer. Nach seiner Verhaftung wurde er verschleppt und im Konzentrationslager Dachau bei München schwer misshandelt. Am 2. April 1945 wurde er, kurz vor der Befreiung Dachaus, von der SS ermordet.

Otto Sturmfels kam am 19. Mai 1880 in Seligenstadt zur Welt. Sein Vater war der evangelische Pfarrer und Dekan Georg Sturmfels, der 1906 die Engländerin Maud Richards-Adams heiratete und mit der er sechs Kinder hatte. Otto Sturmfels besuchte das Gymnasium in Darmstadt und Hanau. Nach dem Jurastudium an den Universitäten von Gießen und Berlin arbeitete er als Gerichtsassessor in Seligenstadt und Darmstadt, dann als Rechtsanwalt und Notar, seit Mai 1927 in Darmstadt. Sein Hauptanliegen waren die Rechte der Arbeiter und Bauern.

Von 1916 bis 1917 diente er als Soldat im Ersten Weltkrieg, bis 1920 blieb er in französischer Kriegsgefangenschaft.

Als SPD-Politiker war Sturmfels bis 1926 erster Vorsitzender der SPD in Groß-Umstadt und von 1921 bis 1931 SPD-Landtagsabgeordneter im Hessischen Landtag in Darmstadt. Gleichzeitig war er als Rechtsberater für die SPD-Fraktion im Hessischen Landtag tätig. Nach dem Beginn der NS-Diktatur in Hessen wurde ihm die weitere Ausübung seiner Tätigkeit untersagt (Berufsverbot). Die Hessische Landeszeitung bezeichnete ihn als „Oberbonzen“ und seine Kanzlei als „notarielle Dunkelkammer“.

Als er sich mit Carlo Mierendorff am 13. Juni 1933 im Frankfurter Café Excelsior traf, um den Widerstand gegen die Nationalsozialisten vorzubereiten, wurden beide von der Gestapo verhaftet, Mierendorff noch am selben Tag, Sturmfels am 21. Juni. Wilhelm Leuschner und weitere Freunde Mierendorffs intervenierten beim mittlerweile zum hessischen Polizeichef aufgestiegenen Werner Best, schafften internationale Öffentlichkeit, um seine Ermordung zu verhindern.

Man beschuldigte Sturmfels der „Konspiration“ gegen das NS-Regime und verurteilte ihn im September 1933 zu 18 Monaten Zuchthaus. Im Sommer 1944 wurde er erneut verhaftet und ins Vernichtungslager Dachau deportiert. Auch Kollegen der ehemaligen SPD-Landtagsfraktion wurden nach Dachau verschleppt: Heinrich Delp, Christoph Hardt, Karl Henzel, Adam Lang, Anton Lux, Albin Mann, Karl Neff und Heinrich Riegel.

Seit 2014 erinnert ein Stolperstein in der Hermannstraße 45 in Darmstadt an Otto Sturmfels.